Wann kann ich in Aktien investieren? Voraussetzungen für den Einstieg

Eine Investition in den Aktienmarkt ist an sich sehr einfach. Aktientitel auswählen und diesen bei der Depotbank deiner Wahl kaufen. Im besten Fall hältst du die Aktie über einige Zeit und kannst diese mit Gewinn verkaufen. Klingt doch wirklich sehr einfach, oder? Leider ist nicht alles so einfach, wie die Wahl deiner Depotbank. Die Wirklichkeit ist sehr komplex. Neben der anspruchsvollen Aktienauswahl sind einige psychologische Effekte zu beachten. Das auf und ab an den Aktienmärkten ist nicht für Jedermann geeignet und auch die finanziellen Rahmenbedingungen sollten stimmen, bevor du in den Aktienmarkt einsteigst.

Bist du reif für den Aktienmarkt? Diese 10 Voraussetzungen solltest du mitbringen

Im Laufe der Jahre habe ich mit vielen Freunden über das Thema Aktien und Geldanlage gesprochen. Dabei ist mir immer wieder aufgefallen, dass es nicht für jeden empfehlenswert ist in den Aktienmarkt einzusteigen. Diese persönlichen Voraussetzungen solltest du erfüllen, wenn du in Aktien investieren möchtest:

1) Du hast keine Schulden

Konsumschulden sind grundsätzlich nichts Gutes (siehe auch „Warum sind Konsumschulden so gefährlich?“). Wenn du gerade dabei bist, einen Kredit zu tilgen, dann zahle diesen erst zurück, bevor du mit dem Vermögensaufbau an der Börse beginnst. Es ist nicht sinnvoll, auf der einen Seite länger als notwendig hohe Kreditzinsen zu bezahlen und an anderer Stelle zu versuchen, mit Ersparnissen ein in etwa gleich hohes Plus zu erwirtschaften. Es ist schlauer, wenn du zuerst den Kredit zügig beendest. Warum?

  • Auch nicht gezahlte Bankzinsen sind gespartes Geld.
  • Mit Schulden im Rücken ist schon genug Unruhe in deinem Leben. Die schwankende Wertentwicklung an der Börse ist dann vielleicht bereits zu viel für dich.

2) Du hast einen ausreichenden Notgroschen

In meinem Artikel „Warum und wofür soll ich sparen?“ hast du gelernt, dass ein angemessener Notgroschen dir den Rücken frei hält und dir die Gelassenheit gibt, unvorhergesehene Zwischenfälle ohne schlaflose Nächte und die Notwendigkeit eines Kredits durchzustehen. Mit dem Start deiner Vermögensbildung ist dies noch viel wichtiger: Der notwendige Anlagehorizont an der Börse verbietet es geradezu, dass du in solchen Situationen an dein Wertpapierdepot ran musst. Aus diesem Grund sollte dein Notgroschen nicht an der Börse investiert sein.

3) Du hast darüber hinaus freie Mittel, die du in den nächsten 20 Jahren nicht brauchst

Ein Aktiendepot ist kein Sparbuch. Das bedeutet, dass Einzahlungen nicht stabil mit einem festen Prozentsatz verzinst werden, sondern dass sie sich langfristig parallel zum Erfolg des zugehörigen Unternehmens entwickeln. Das kann mal mehr und mal weniger „Plus“ oder „Minus“ sein. Je länger du eine (solide) Aktie hältst, desto wahrscheinlicher wird ein guter Gewinn damit entstehen. Dazu ist es aber eine zwingende Voraussetzung, dass du deiner Anlage genügend Zeit lässt, um sich zu entwickeln.

4) Du hast ein klares Ziel für dein Aktien-Investment

Was genau willst du erreichen? Was wird unterwegs für dich wichtig sein und was nicht? Es geht hier um nicht weniger als deine Lebensplanung.

5) Du hast eine klare Strategie für dein Aktien-Investment

Strategie und Ziel sind nicht dasselbe. Während dein Ziel formuliert, wo du ankommen willst, beschreibt die Strategie den Weg dorthin. Für eine solide Vermögensentwicklung empfehle ich dir eine Basis in Form eines passiven Indexfonds, beispielsweise auf den MSCI World Index (ETF Empfehlung für den Vermögensaufbau: „MSCI World Index“). Du kannst auch eine Auswahl mehrerer Fonds auf verschiedene Indizes wählen. Wesentlich ist, dass du die Produkte gut verstehst und dass du die Streuung deiner Ersparnisse auf mehrere Wirtschaftsbereiche und Regionen erreichst, so dass deine Investition weniger anfällig gegen das Schwächeln einzelner Bestandteile ist. Wenn du dies umgesetzt hast, dann – und wirklich erst dann – kannst du deine Geldanlage durch die Auswahl von echten Dividendenstars und ausgeprägten Wachstums-Aktien zusätzlich anreichern. (siehe hierzu: Meine Regeln für die Aktienauswahl)

Diese Empfehlung ist meine Strategie. Deine kann ähnlich oder ganz anders lauten. Aber sorge dafür, dass sie ähnlich gut ausformuliert ist, bevor du dein Erspartes in einzelne Aktien investierst. Nur dann hast du dir einen klaren Rahmen gesetzt, der dein Handeln bestimmt.

6) Du verstehst die Dynamik der Börse

Kurzfristig kann an der Börse der Unsinn den Tag bestimmen. Da berichtet ein Unternehmen, dass es 12% Gewinn gemacht hat – und der Kurs fällt an diesem Tag schlagartig ab. Warum? – Weil einige Analysten und Anleger mehr erwartet haben. In der Annahme, dass mehr Gewinn und damit höhere Aktienkurse entstehen werden, haben sie in der Vergangenheit dieses Papier gekauft und steigen nun aufgrund dieser „Enttäuschung“ aus. An 12% Gewinn ist jedoch noch niemand gestorben. Derselbe Effekt kann auch umgekehrt entstehen – ein Unternehmen meldet einen Gewinnrückgang und der Kurs steigt, weil die Aktionäre aufgrund guter Aussichten (z.B. die Gewährung eines neuen Patents) die Aktie kaufen. Solche Impulse musst du in deinem Handeln konsequent ausblenden können und die wesentlichen Fakten sehen.


7) Du hast Durchhaltevermögen

In meinem Artikel „Trends am Aktienmarkt“ habe ich beschrieben, dass manchmal eine „Gier-Welle“ durch eine Branche läuft und so eine Welle auslöst. Diesen Wellenberg musst du genauso aussitzen können wie das Wellental danach. Dauernd zu versuchen, diese Bewegungen auszunutzen, indem du meinst, taktisch klug ein- und wieder aussteigen zu können, ist Zockerei und keine Anlage.

8) Du darfst auf äußere Impulse hin nicht alle 3 Jahre alles neu überdenken

Neuer Lebenspartner? Schon wieder die Diskussion über das Eigenheim? Bauzinsen so tief wie noch nie? Wenn du einmal angefangen hast, solltest du deiner Strategie treu bleiben. Wer alle drei Jahre seine Strategie vollständig infrage stellt und seinen Weg ändert, darf nicht erwarten, dass er irgendwo ankommt.

9) Es steht nicht im Raum, ob du eine Immobilie kaufen willst oder nicht

Planst du den Kauf eines imposanten und großzügigen Eigenheims, dann bedeutet das einen erheblichen Kapitalaufwand in den kommenden 25 Jahren. Zusätzlich zu den immensen Bauschulden noch Mittel aufzuwenden, um am Aktienmarkt Geld anzulegen, ist dann wahrscheinlich nicht das richtige für dich. Siehe Punkt 1.

10) Du kannst einmal gefällte Entscheidungen nüchtern betrachten

Wenn du eine Aktie gekauft hast und sie sich nach einer anfänglich schönen Steigerung ruckartig oder auch gemächlich dem Sinkflug widmet, dann hast du grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

  • „locker bleiben, die kommt wieder“
  • „ok, das Ding ist durch, die muss weg“

Das hört sich erst einmal einfach an, wenn du jedoch aktuell 40% im Minus liegst, dann ist beides eine harte Entscheidung: entweder wirst du sehr lange darauf warten, ob und wie sehr deine Aktie den Weg nach oben wieder schafft, oder du realisierst einen Verlust, der die positive Entwicklung anderer Anlagen mal eben auf Null ausgleicht. Du musst aber eine Entscheidung treffen. Nicht immer ist Antwort A die richtige und führt am Ende zu noch mehr Verlusten:

Bei Nokia haben sicher sehr viele Aktionäre Anfang 2010 noch fest daran geglaubt, dass Nokia den Anschluss an die Smartphones noch schaffen wird. Wer damals eine harte Entscheidung gefällt hat, war am Ende besser dran. Mein Einstandspreis war bei 12 Euro, verkauft habe ich am Ende bei ca. 9 – viel zu spät und ein Verlust von 25%. Wer aber mal Kurse von 45 und 60 Euro gesehen hat, der wollte hier eine ganze Weile lang einfach nicht loslassen.

Fazit

Ich hoffe durch diese 10 Punkte wurde dir vor Augen geführt, welchen Personen ich eine Investition in Aktien empfehle. Das Wichtigste ist, dass du kein Geld in Aktien investierst, dass du kurzfristig wieder benötigen könntest und dass du eine Strategie verfolgst, bei der du auch bereit bist diese langfristig durchzuhalten. Eine Investition sollte immer langfristig orientiert sein. Der Traum vom schnellen Geld ist nicht planbar und funktioniert deshalb nur selten. Wenn du die Voraussetzungen erfüllst, dann kannst du mit der Vermögensbildung mit Aktien beginnen.

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