Kenne deine Ausgaben – Warum muss ich ein Haushaltsbuch führen

Die meisten Menschen rechnen grob im Kopf was es kostet, den Kühlschrank zu füllen, das Auto zu tanken und hin und wieder Essen zu gehen oder mit Freunden unterwegs zu sein. Diese Kosten ziehen sie von ihrem verfügbaren Nettogehalt ab. Der verbleibende Betrag erscheint in den meisten Fällen noch durchaus üppig, sodass sie den halben Monat fest davon überzeugt sind, am Monatsende noch einiges zur Seite legen zu können.

In der Realität wird dabei jedoch oft vergessen, dass viele weitere Routine-Ausgaben (Fixkosten) im Raum stehen, an die man nicht dachte. Ebenfalls werden Spontanausgaben oftmals bei dieser Rechnung vernachlässigt.

Daher ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Ausgaben realistisch eingeschätzt und auf diese Weise eine weitgehend verlässliche Aussage über das verfügbare Kapital getroffen werden kann.

Das ist der Zeitpunkt, an dem du über den aus meiner Sicht unangenehmsten Teil der ganzen Angelegenheit einmal ernsthaft nachdenken solltest: das Haushaltsbuch.

Im Nachfolgenden werde ich erläutern warum ich ein Haushaltsbuch für sinnvoll erachte und welche Vorteile es hat seine Ausgaben im Überblick zu behalten. Hierzu geben ich einige Tipps zur passenden Struktur, um euch den Einstieg zu erleichtern.

Kenne_deine_ausgaben_Haushaltsbuch

Ein Haushaltsbuch zu führen, hilft dir, deine Ausgabenblöcke kennenzulernen (Quelle: Geldundhaushalt.de)

Welche Vorteile hat ein Haushaltsbuch? Warum ist es sinnvoll eines zu führen?

Bei einem Haushaltsbuch denken die Meisten erst einmal an viel Arbeit und es ist zunächst ein abschreckender Gedanke – für mich jedenfalls war er das. Wenn ich aber mit Freunden und Bekannten über das Thema Sparen & Anlegen spreche, dann stelle ich immer wieder fest, dass die Abneigung vor dem Haushaltsbuch sogar oft der maßgebliche Grund ist, warum das gesamte Finanzthema bislang nicht so richtig geklappt hat.

Ich mach es kurz: Um das Haushaltsbuch wirst du nicht ganz herumkommen, aber du kannst es sehr entspannt angehen. Mit der selbst auferlegten „Buchhaltung“ sollte man es nicht übertreiben, aber es ist schließlich kein Zufall, dass in großen Unternehmen das Controlling, das im Wesentlichen Kosten und Ausgaben bzw. Umsätze und Einnahmen im Blick behält, eine der wichtigsten Abteilungen ist. Ohne Überblick über die Finanzen ist es nicht möglich, ein Unternehmen zu führen. Dies kann mit einigen Abstrichen auch auf dein eigenes „Unternehmen“ übertragen werden.

Wenn du einmal festgestellt hast, dass du nicht „hin und wieder mal einen Pulli kaufst“ sondern siehst, dass du in Wahrheit im Durchschnitt jeden Monat für 120 Euro irgendwas für den Kleiderschrank gekauft hast, dann ist das eine ganz wesentliche Information. Sie hilft dir, ein reales Bild zu bekommen wohin dein Geld verschwindet. Sobald du deine wesentlichen Ausgaben kennst, hast du sie auch besser im Griff.

Du kannst dann entscheiden, ob du das angemessen findest, oder ob du erschrocken beschließt, dass sich das ändern muss. Und schon hast du wieder ein Stück Kontrolle gewonnen.

Vorteil 1: Überblick über die tatsächlichen Ausgaben (nicht nur Schätzwerte)

Wie zu Beginn dieses Artikels erwähnt, werden die Ausgaben oft nur geschätzt und sind deshalb sehr ungenau. Durch ein Haushaltsbuch kannst du einen genauen Überblick über deine persönlichen Ausgaben erhalten, d.h. es zeigt dir, wie viel Geld im Monat tatsächlich für Tanken oder Kleidung ausgegeben wird und welche Ausgaben regelmäßig anfallen. Danach kannst du dann entscheiden, ob es so bleiben soll, oder nicht.

In meinem Artikel „Wie spare ich richtig“ habe ich bereits meine Empfehlungen zum Sparen formuliert, unter anderem die, dich selbst zuerst zu bezahlen. Das heißt, du ziehst bereits zu Beginn eines Monats von deinem Nettoeinkommen einen festgelegten „Eigenlohn“ ab, der der Vermögensbildung bzw. dem Sparen dient. Wenn du jedoch keinen Überblick über deine tatsächlichen Ausgaben hast, ist es sehr schwer, diesen Betrag festzulegen. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, zumidnest eine Zeitlang ein Haushaltsbuch zu führen.

Wenn das mit dem Sparen einmal klappt, wird es außerdem sehr wahrscheinlich, dass du relativ schnell darüber nachdenkst, ob der zu Beginn festgelegte Betrag so bleiben soll oder nicht. Der Gedanke „Da ist doch noch mehr drin?“ wird dich erfassen. Ohne einen Überblick über deine Ausgaben ist es schwer eine Aussage darüber zu treffen, was dann noch möglich und was eher unrealistisch ist.


Vorteil 2: Bessere Planbarkeit

Beim Sparen und Vermögensaufbau geht es u.a. darum, kontinuierlich an der Erreichung eines Ziels zu arbeiten. Der Überblick über kommende Ausgaben erhöht die Planbarkeit enorm. Wenn du beispielsweise vergisst, dass die Versicherungsgebühren für dein Auto im Dezember abgebucht werden, hättest du evtl. Ende Dezember ein Problem. Wenn du dein Haushaltsbuch über längere Zeit führst, kennst du auch die selten auftretenden Posten und kannst du solche Dinge nicht mehr vergessen.

Tipps für die Struktur und den Detailierungsgrad deines Haushaltsbuches – So wird es zum Erfolg

Das Führen eines Haushaltsbuches ist mit einem gewissen Aufwand verbunden. Um den Start und den laufenden Aufwand zu minimieren, möchte ich euch folgende Tipps geben:

Wähle einen passenden Detailierungsgrad

Ich selbst habe mein Haushaltsbuch sehr lange und extrem penibel gemacht und nicht nur die Kassenzettel gesammelt und aufaddiert (Aldi 45,90, Tanke 65,50) – ich habe damals sogar die Kassenzettel separiert nach Rubriken (12,90 Euro Lebensmittel, 10 Euro Getränke, 15 Kleidung, 55 Sprit, 10 Auto waschen…). Die gute Botschaft lautet: Das musst du gar nicht tun. Schlussendlich hat mich dieser hohe Detaillierungsgrad gar nicht so sehr weitergebracht. Was am Ende nämlich wichtig ist: du musst die wesentlichen Aufgabenblöcke Lebensmittel, Kleidung, Fahrzeug und Freizeit gut kennen. Wenn du die draufhast, dann ist es nicht so wichtig, wenn der Kassenzettel vollständig in „Lebensmittel“ steckt, obwohl er auch mal ein neues Küchenmesser für 19,99 enthält.

Wie wichtigsten Kategorien sollten sein:

  • Auto (Tanken, Waschen, Inspektion, Wartung…)
  • Einkäufe (Alles aus dem Supermarkt)
  • Freizeit (Kino, Ausgehen, Freizeitaktivitäten)
  • Kleidung
  • Sport (Fitnessstudio, Sportgeräte…)
  • Reisen (Alle Kosten für und während einer Reise)
  • Versicherungen
  • Handy / Internet
  • Abos (Spotify, Zeitschriften…)
  • Elektronik (neues Handy?)
  • Sonstiges (Friseur, Filme bei iTunes…)

Dies sind die Kategorien, die ich sich bei mir als sinnvoll erwiesen haben und die ich momentan verwende. Je nach Interesse kann es sinnvoll sein, eine Kategorie in mehrere aufzuteilen oder weitere anzulegen.

Zeitliches Auftreten berücksichtigen

Eine sinnvolle Einteilung der Ausgaben ist neben den oben genannten Kategorien dann noch deren zeitliches Auftreten, also zum Beispiel:

  • monatlich (hauptsächlich Lebensmittel, Benzin, Sparverträge, Miete, Haushaltsgeld, Handy, Kabelfernsehen..)
  • quartalsweise (GEZ-Gebühren, einige Versicherungen)
  • jährlich (Versicherungen, Müllgebühren, Energieabrechnung, Vereinsbeiträge… und: der Sommerurlaub)
  • spontanes

„Keep it simple“ – Nutze einfache Tabellen oder Apps

Klingt nach viel Arbeit? Wenn man nicht den vollen Monat seine Kassenzettel sammelt und dann alles auf einmal machen muss, dann ist es gar nicht so viel. Mach das am besten jeden Sonntagnachmittag, dann ist es meist in 5 Minuten erledigt.

Für diejenigen unter uns, die das Haushaltsbuch gerne elektronisch pflegen möchten, empfehle ich eine einfache Excel-Tabelle (Natürlich geht das auch mit dem kostenlosen „Open Office“ für Windows oder Numbers für Mac). Um euch die Arbeit zu erleichtern, habe ich eine Vorlage für euch erstellt, die ihr gerne nutzen könnt.

Neben Excel gibt es auch einige Haushaltsbuch-Apps für euer Smartphone, die ihr verwenden könnt. Hierbei solltet ihr darauf achten, dass die App möglichst einfach ist. Ich habe bereits einige davon ausprobiert und teilweise mehr Arbeit gehabt als mit meiner einfachen Exceltabelle. Eine sehr einfach und empfehlenswerte iPhone App ist jedoch „MoneyBook“. Mit dieser erfasse ich teilweise schon auf dem Weg zum Auto meinen Supermarkteinkauf. Dadurch wird das Haushaltsbuch zum Kinderspiel. Diese App ersetzt für mich das sammeln von Kassenzetteln. Die monatlichen Summen übertrage ich in meine Excel-Tabelle.

Führe dein Haushaltsbuch mindestens 6 Monate

Da es wichtig ist, die wesentlichen Posten zu kennen und auch deren Höhe, wirst du nicht darum herumkommen, das ganze eine Weile zu verfolgen. Es ist leider so. Die zweite gute Botschaft lautet: Es dauert gar nicht so lange, dann hast du ein Bild von deinem Ausgabeverhalten. Manchen reichen bereits 6 Monate.


Führe dein Haushaltsbuch genau: Jede Ausgabe ist eine Ausgabe

Es ist wichtig, dass alle getätigten Ausgaben erfasst werden. Auch der tägliche Kaffee für 1,20 Euro am Bahnhof kann über einen Monat hinweg eine beachtenswerte Position bei deinen Ausgaben darstellen. Um also einen realistischen Überblick zu erhalten, solltest du alle Ausgaben konsequent berücksichtigen.

Fazit: „Nur wer seine Ausgaben kennt, hat diese auch im Griff“

Du wirst überrascht sein, was für unglaubliche Erkenntnisse du über dich selbst gewinnst. Und zwar Schöne und Unschöne. Bei mir war das damals übrigens ernüchternd. Nach dem Erstellen der ersten Tabelle hatte ich am Ende einen Betrag dastehen, der THEORETISCH jeden Monat hätte übrig sein müssen. Diesen Betrag habe ich lange ungläubig angestarrt und mir überlegt, wohin ich dieses Geld bislang getragen habe. Glaub mir: Das Haushaltsbuch hat mir das sehr schnell und ganz deutlich gezeigt. Ich war entsprechend geschockt.

Daher empfehle ich dir sehr: tu dir das eine Weile an. Du wirst es nicht mögen, aber es hilft ungemein.

Wenn du jetzt denkst, dass daraus dann ein Korsett folgt, dem du zukünftig unterworfen bist, kann ich dich gleich beruhigen: das Gegenteil ist der Fall. Das Haushaltsbuch verschafft Freiheit.

Wenn du deinen tatsächlichen Verbrauch kennst, dann kannst du – wenn du willst – daraus ein Budget machen. Das bedeutet: du setzt einen Betrag fest, den du monatlich für bestimmte Ausgaben verwenden willst, zum Beispiel: „Essen gehen – 60 Euro.“ Wichtig dabei ist: du musst jetzt nicht anfangen, dich selbst zu knechten. Wenn du feststellst, dass du seither immer für 110 Euro Essen warst und du das ok findest, ja dann ist das halt so. Korrigieren musst du nur dort, wo du selbst denkst, dass es angebracht sei. Es ist auch egal, wenn eines deiner Budgets mal nicht eingehalten wird. Die Richtung muss halt stimmen.

Wir wollen ja Leben und nicht Buchhaltern.

Es geht also um das Sparen an den richtigen Stellen. Hier erfährst du mehr darüber: Sparen an der richtigen Stelle – Behalte deine Lebensqualität und drehe an den richtigen Stellschrauben

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