Richtig Sparen und Anlegen für den Ruhestand – Wie lange reicht mein Geld?

Mein Vater ist mit 63 in Ruhestand gegangen. Das war bzw. ist zu einer Zeit, in der das Rentenniveau noch in Ordnung ist. „In Ordnung“ heißt in seinem Fall nicht, dass dreimal jährlich das Traumschiff mit meinen Eltern unterwegs ist. Aber es bedeutet, dass sie ihr Leben weiterhin so führen können, wie sie es immer getan haben: sie waren immer sparsam und sind es heute noch. Dadurch haben sie keine Einbußen in der Lebensqualität.

Schon während meiner Schulzeit in den 80er Jahren hat mein Vater immer gesagt „ich werde mal 90“. Auch wenn das in seinem Fall kein „Ziel“ für das Thema Sparen und Anlegen war, so lässt sich daraus sagen, wie lange sein Ruhestand dauert, wenn sein Wunsch klappt: es sind genau 27 Jahre.

Damit läge er aktuell über dem Durchschnitt: Seit den 60er-Jahren hat sich die Lebenszeit nach dem Ausstieg aus dem Berufsleben verdoppelt. Damals waren es nur rund 10 Jahre, um die Jahrtausendwende waren es rund 15 Jahre, heute sind es im Schnitt 20 Jahre Ruhestand, Tendenz steigend. Das kommt daher, dass viele früher aufhören wollen, zusätzlich leben wir länger. Für deine Planung empfehle ich dir diesen Durchschnitt als Richtwert zu nehmen.

Die durchschnittliche Rentendauer liegt bei 20 Jahren (Quelle: gdb.de)

Die durchschnittliche Rentendauer liegt bei 20 Jahren (Quelle: gdb.de)

Für deine Rente musst du sicherstellen, dass du ausreichend Kapital zur Verfügung hast.

Wie viel muss ich für den Ruhestand sparen? Wie lange reicht das Geld?

Mindestens für die statistischen 20 Jahre müssen wir sicherstellen, dass wir ausreichend Kapital zur Verfügung haben, um unseren gewünschten Lebensstandard beibehalten zu können. Wir möchten neben der staatlichen Rente eine eigene monatliche Rente realisieren, d.h. wir entnehmen ab Rentenbeginn von unserem Vermögen einen gleichbleibenden Betrag. Der Rest bleibt angelegt und verzinst sich weiter.

Es ist einer der am meisten verbreiteten Irrtümer, dass der Anlagehorizont auf den Renteneintritt begrenzt ist: Wenn du dein Geld auf ein Sparbuch legst, hebst du ja auch nicht mit Eintritt ins Rentenalter restlos alles ab, um es sofort auszugeben. Das Gleiche gilt auch für die Anlage in Indexfonds oder Aktien. Du wirst dann zwar Teile des Vermögens entnehmen, es spricht aber nichts dagegen, den Rest nochmal 10-20 Jahre arbeiten zu lassen. Wenn am Ende deines Lebens noch Geld übrig ist, dann hast du (a) alles richtig gemacht und (b) freuen sich deine Erben.

Für die Berechnung, wie viel Kapital du selbst für den Ruhestand zur Seite legen musst, sind folgende Variablen relevant:

  • die Rentendauer
  • die monatliche Kapitalentnahme
  • der Zinssatz der gewählten Kapitalanlage
  • das Kapital zum Rentenbeginn

Diese Werte hängen unmittelbar miteinander zusammen. Zum Beispiel:

  • Je höher das Kapital zum Rentenbeginn, desto höher kann der monatliche Entnahmebetrag sein.
  • Je höher der Zinssatz der Kapitalanlage, desto länger reicht das Geld.
  • Je höher der Zinssatz der Kapitalanlage, desto weniger Kapital wird zum Rentenbeginn benötigt  bzw. desto weniger Kapital musst du ansammeln.

Je höher also der Zinssatz der Kapitalanlage, desto mehr kannst du monatlich entnehmen und es dir gut gehen lassen.

Wenn du diese Zusammenhänge nachrechnen möchtest, empfehle ich dir einen Rechner für einen Entnahmeplan für Rente aus Kapitalvermögen. Bei dem verlinkten Rechner kannst du die einzelnen Parameter verändern und direkt die Auswirkungen erkennen.


Viele möchten nicht bis 67 arbeiten und denken an einen Rentenbeginn mit z.B. 63 Jahren. Sie können abschätzen, wie viel Vermögen sie in etwa bis dahin zur Seite legen können. Nun ist die interessante Frage: Reicht das gesparte Kapital auch wirklich bis zum Lebensende?

Nehmen wir an, du hast zum Rentenbeginn 100.000 Euro gespart und möchtest neben der staatlichen Rente zusätzlich 500 Euro monatlich während deines Ruhestandes zur Verfügung haben.

So lange reicht das Geld: Wer monatlich nur 500 Euro vom Finanzkissen verbraucht, schafft mit Tagesgeld & Co. die durchschnittlichen 20 Jahre nicht. (Quelle: welt.de)

So lange reicht das Geld: Wer monatlich nur 500 Euro vom Finanzkissen verbraucht, schafft mit Tagesgeld & Co. die durchschnittlichen 20 Jahre nicht. (Quelle: welt.de)

Wie die Grafik zeigt ist der mögliche Entnahmezeitraum sehr stark von der gewählten Kapitalanlage abhängig. Während man mit einer reinen Anlage mit Tagesgeld nicht einmal 20 Jahre den Betrag entnehmen könnte, kann man mit Mischfonds oder Aktien einen deutlich längeren Zeitraum überbrücken.

Als Anlageform während des Ruhestandes sind deshalb Aktienfonds oder Aktien zu empfehlen, damit du nicht Gefahr läufst, später deinen Kindern auf der Tasche zu liegen.

Warum es sinnvoll ist schon vor Rentenbeginn in Aktien oder Aktienfonds anzulegen?

Wenn aber das Sparen und Anlegen in Aktienfonds oder Aktien als Ruheständler das einzig zielführende Mittel ist, dann muss klar sein: Es gibt keinen vernünftigen Grund, vor dem Rentenbeginn auf eine schlechtere Geldanlage zu setzen, als danach.

  1. Je früher du beginnst, eine vernünftige Wertsteigerung zu erreichen, desto höher ist dein Vermögen bei Rentenbeginn.
  2. Je höher das Vermögen beim Beginn des Ruhestandes, desto mehr kannst du entnehmen und desto länger hält es auch.
  3. Es ist klug, sich mit dem Thema Sparen und Geldanlage nicht erst dann zu befassen, wenn du an dem Zeitpunkt angekommen bist, wo du dein Vermögen verbrauchst, sondern bereits wenn es entsteht.
  4. Wenn dir mit 30 Jahren ein paar Anfangsfehler passieren, dann hast du noch über 50 Jahre Zeit, den Schaden wieder gut zu machen. Triffst du mit 65 Jahren einige falsche (Anfänger-) Entscheidungen, dann erzeugt das eine kaum noch zu korrigierende Schieflage und gefährdest deinen kompletten Ruhestand.
  5. Wenn du erst mit dem Ruhestand überlegst, wie du dich verhalten musst, damit dein Vermögen bis zum Lebensende reicht, dann bleibt wahrscheinlich kein Erbe für deine Kinder übrig. Ok, die sollen für sich selber sorgen. Aber es wäre doch nett, wenn sie nicht ebenfalls erst Mitte 30 und völlig alleine den richtigen Weg finden müssen, oder?

Fazit: „Fange früh damit an, mit Sparen und einer soliden Geldanlage deine Vermögensbildung voran zu bringen“

Wenn du frühzeitig beginnst und durch die Akzeptanz eines kleinen Anlagerisikos mit vernünftigen Geldanlagen vorsorgst, dann kannst du beruhigt in die Zukunft schauen: Es wird ein ausreichendes Vermögen vorhanden sein, das dir deinen Ruhestand finanziert und du musst nicht „auf den letzten Drücker“ und garantiert fehlerfrei alles noch irgendwie in die richtige Bahn lenken.

Beginne jetzt mit deiner Vermögensbildung. Wie das geht, erfährst du in meiner Artikelserie zum Thema Geldanlage.

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