Warum Überschusssparen nicht funktioniert – Der Irrtum mit dem Monatsüberschuss

Der Klassiker des Sparens: Es ist Monatsende und das Konto hat vor dem nahenden Gehaltseingang noch ca. 100 Euro vorzuweisen. 50 Euro kommen auf das Sparbuch, für die anderen 50 Euro „gönnt man sich was“, d.h. dieser Anteil geht aus Begeisterung über den gigantischen Sparerfolg beim nächsten Shoppen drauf.

Diese Vorgehensweise kommt dir bekannt vor? Auf diese Weise haben es im Jahr 2015 10% der Bundesbürger gemacht. Sie sparen wie du, 50 Euro oder weniger im Monat. Immerhin 64% sparen regelmäßig, bei 26% klappt es nur manchmal.

Da du dir vorgenommen hattest, dass am Monatsende grundsätzlich alles, was übrig ist, aufs Sparbuch kommt, wirst du dich jetzt freuen. Schließlich ist auf diese Art immer ein Notgroschen da und quasi automatisch auch jeden Juni ein kleines Urlaubsbudget.

An dieser Stelle erstmal ein Lob – damit bist du besser dran als weitere 9%, die gar nichts zur Seite legen.

Doch auch wenn du über diesem Betrag von 50 Euro liegst – mit der Methode des „Abräum-Sparens“, also dem beiseite legen dessen, was am Monatsende zufällig übrigbleibt, gehen demnach 35% (26% plus 9%) aller Deutschen an das Thema ran und treffen dabei nie oder nur manchmal ihr Ziel. Warum ist das so?

4 Gründe warum du mit dem was übrigbleibt nicht ans Ziel kommst

  • Keine Verpflichtung zum Sparen: Bei dieser Sparstrategie stellst du keinen Anspruch an dich. Du hast dir keinen festen Betrag fürs Sparen vorgenommen, es ist sogar völlig egal ob du überhaupt etwas übrighast. Es wird recht oft vorkommen, dass du so gut wie gar nichts sparst.
  • Kein Sparziel: Wenn du nur das sparst, was übrig bleibt, so steckt hier in der Regel auch kein Ziel dahinter, das du erreichen willst. Da der Zufall entscheidet ob und wieviel du sparst, entscheidet auch der Zufall, ob du damit irgendwo ankommst oder nicht.
  • Keine Planbarkeit: Der Zeitpunkt ist zu spät. Was du sparen kannst erfährst du am Ende des Monats. Was auch immer du dann noch auf dem Konto vorfindest ist eine unveränderliche Tatsache, an der du nichts mehr korrigieren kannst.
  • Unkalkulierbares Ergebnis: Da diese Sparstrategie keinen Sparbetrag beinhaltet und kein Ziel, besteht auch keine Planbarkeit. Das heißt, das Ergebnis ist nicht vorhersehbar.

Es spielt bei dieser „Strategie“ also weder eine Rolle, ob am Ende deines Monats überhaupt etwas übrigbleibt oder nicht, noch hat es eine Auswirkung auf dein Konsumverhalten im Monat darauf, wenn du diesen Monat nichts erreicht hast. Der Sparbetrag, sofern er da ist, hat stets eine zufällige Größe, die du nicht mehr beeinflussen kannst.


Es liegt daher praktisch schon auf der Hand, dass du am Ende jeden Jahres feststellen wirst, dass du nicht annähernd so viel gespart hast, wie du dachtest. Dein Vorhaben ist also ehrenvoll, aber die Vorgehensweise führt zu keinem langfristig akzeptablen Ergebnis.

Komischerweise gibt es Banken, die diese Startegie als eine tolle Idee empfinden und daraus sogar ein Produkt gemacht haben. Beispielsweise bietet die DKB Bank die Möglichkeit immer am Ende des Monats automatisch das verbleibende Guthaben des Girokontos („VISA Sparauftrag“) auf das Sparkonto zu überweisen. Das ist ein toller Service, aber leider fördert eine völlig falsche Vorgehensweise.

DKB_visa_sparauftrag

DKB VISA-Sparauftrag: Verbleibendes Guthaben kann automatisch gespart werden (Quelle: Bildschirmfoto DKB Online-Banking)

Bitte versteht mich nicht falsch. Einen kleinen Betrag zur Seite zu legen ist immer noch besser als nichts, aber es wird euch langfristig nicht zum Erfolg führen. Solltet ihr bereits über ein Einkommen verfügen, bei dem am Ende des Monats sowieso immer einiges übrig bleibt, dann ist das natürlich etwas anderes. Aber auch bei einem hohen Einkommen ist eine systematische Vorgehensweise sinnvoll.

Warum „Abräum-Sparen“ deine Wünsche nicht erfüllen kann

Oben siehst du, dass mit Hilfe dieser Strategie kaum eine Planung möglich ist. Das Ergebnis ist nicht vorhersehbar und das Ziel unkonkret. Leider verhält es sich bei deinen Wünschen meist anders: deine Wünsche sind konkret. Zwar noch nicht bis ins kleinste Detail, aber sie sind auf jedem Fall deutlicher als „ich schaue mal was übrig bleibt“.

Diesen Zusammenhang möchte ich dir anhand eines Beispiels klar machen:

Du möchtest dir ein Auto kaufen. Dein Wunsch wäre ein gebrauchter Audi A3 in Schwarz mit Alufelgen für 10.000 Euro. Dein Wunsch ist also bereits sehr konkret formuliert.

Wenn du nur mit „Abräum-Sparen“ Geld dafür zur Seite legst, kannst du jedoch überhaupt nicht planen, wann du deinen Wunsch endlich erfüllen kannst. Die Realisierbarkeit deines Wunsches bleibt also völlig unkonkret, d.h. du kannst nie genau sagen, wann du ihn dir wirklich erfüllen kannst.

Wenn du stattdessen eine Sparstrategie wählst, bei der das Ergebnis am Tag X vorhersehbar ist, kannst du die Realisierung deiner Wünsche planen und diese systematisch verfolgen. Das wird dich langfristig zufriedener machen als ein beherztes „ich schaue mal, welche Wünsche ich mir mit dem was übrig bleibt, erfüllen kann“.

Was ist die Alternative?

Ich persönlich wende eine nachhaltigere Strategie zum Sparen an. Es handelt sich um eine systematische Vorgehensweise, die auf 4 Regeln basiert. Wenn dich dieses Thema interessiert kannst du dir den Artikel „Wie spare ich richtig“ genauer ansehen.

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